Auszug aus der Rede des Prinzen zu Neujahr 1900

Wir schreiben das Jahr 1900. Nach der Rechnung der Menschen befinden wir uns nun im 20. Jahrhundert. 407 Jahre ist es her, seit der Dornenvertrag die glorreiche Camarilla begründete und die Gesellschaft geschaffen wurde, in der wir uns heute bewegen. London ist ein Hafen der Camarilla, eine feste Größe in der Welt und eine der glorreichsten Städte der Gegenwart und auch der Vergangenheit. Doch dieses neue Jahrhundert wird Veränderungen bringen. Die Menschen wenden sich dem Okkulten zu, sie suchen Halt in Sekten und bei Scharlatanen. Gleichzeitig vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht neue Erfindungen gemacht werden und Dinge entdeckt, welche unser Verständnis der Welt auf immer revolutionieren werden. Es ist an den Kindern Kains, sich dieser neuen Welt anzupassen und so weiterhin die Rolle einzunehmen, die ihnen zukommt.

Für die Älteren unter uns mag die Zeit an frühere Jahrhunderte erinnern, in denen eine ähnliche Flut von Entdeckungen die Menschheit voranbrachte. Auch damals ging dieses Neue mit einer Hinwendung zu alten Praktiken, praktiziertem Aberglauben einher. Doch im Gegensatz zu damals sind es nun nicht mehr die Feuer der Inquisition und der religiösen Eiferer, welche die vom Wege abgekommenen verbrennen. Vielmehr feiert die Gesellschaft solche Personen, indem sie ihnen in Büchern und sogenannten Zirkeln huldigt.

Es ist erst wenige Jahre her, als die Gesellschaft der Kainiten von einem Buch in Aufregung versetzt wurde, welches sich anmaßte, die Geschichte eines der unseren zu erzählen. Es gelang, diesem Buch den Stachel des Verrats zu ziehen und es in eine weitere der harmlosen Mythen zu wandeln, welche in solch großer Zahl existieren. Dennoch ist die Faszination der Menschen für uns erneut entflammt und nicht wenige unter uns sehen die Zeit gekommen, erneut aus den Schatten zu treten und die Führung der Menschen offen zu übernehmen. Andere spielen jeden Abend ein Spiel, welches sie gefährlich weit an den Rand des Verrats unserer ehernen Prinzipien bringt.

Doch dieses Buch und die daraus resultierenden Versuchungen bilden nur die Spitze eines sprichwörtlichen Eisberges. 12 Jahre ist es her, daß der sogenannte Ripper Whitechapel in Angst und Schrecken versetzte. 2 Jahre zuvor war bereits ein Buch erschienen, welches eben diese Art der Verbrechen beschrieb und sie einem gepeinigtem Geist auf der Schwelle zwischen Gut und Böse zuschrieb. Bis heute ist es ungeklärt, ob einer der unseren für die Morde verantwortlich ist. Das Erstarken des Sabbats seit jenen Tagen ist jedoch eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Noch wagen sie es nicht, sich uns in den Weg zu stellen. Doch die Erfahrung lehrt uns, daß sie in Zeiten der sozialen Umwälzungen ihre Chance sehen und nutzen.

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